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Von Interdisziplinarität und internationalen Perspektiven: Vier Monate Sabbatical in Oxford
18.06.2026 Wie verändert ein Forschungsaufenthalt an einer der renommiertesten Universitäten der Welt den Blick auf die eigene Arbeit? Caroline Straub verbrachte vier Monate in Oxford. Im Interview erzählt sie von neuen Perspektiven, Netzwerken und Ideen.
Warum Oxford? Und gab es etwas, dass dich besonders beeindruckt hat?
Ich habe Oxford für meinen Forschungsaufenthalt gewählt, weil es dort das «Oxford Internet Institute» gibt. Es gehört international zu den führenden Zentren für die Erforschung digitaler Arbeit und Plattformökonomien. Die interdisziplinäre Ausrichtung – von Wirtschaft über Soziologie bis hin zu Data Science – passt sehr gut zu meinen Forschungsschwerpunkten am Institut für New Work an der BFH. Zudem gefällt mir der starke Praxisbezug: Viele Projekte zielen darauf ab, konkrete Impulse für Politik und Gesellschaft zu liefern.
Beeindruckt hat mich auch die Dichte an Vorträgen und Seminaren. Jedes Institut und jedes Departement organisiert eigene Veranstaltungen, sodass es praktisch jeden Abend mehrere spannende Beiträge aus ganz unterschiedlichen Disziplinen gibt. Viele davon sind öffentlich und online zugänglich, eine wertvolle Möglichkeit, an aktuellen Debatten teilzunehmen.
Lehren und forschen an der BFH
Für Dozierende mit einem Pensum von mindestens 50 Prozent, einer unbefristeten Anstellung und mindestens sechs vollendeten Dienstjahren besteht die Möglichkeit, einen Forschungs- und Bildungsurlaub zu beantragen. Dieser dauert in der Regel vier Monate und dient dazu, dass Dozent*innen frei von Lehrverpflichtungen wissenschaftlich arbeiten bzw. sich in ihrem Fachgebiet weiterbilden können.
Welche Forschungsfrage oder welches Projekt hast du nach Oxford mitgenommen?
Ich habe meine Forschung zur Plattformisierung von Arbeit mitgenommen und wollte sie stärker international verankern und weiterentwickeln. Dabei knüpfe ich an mehrere SNF-Projekte an, die sich damit beschäftigen, wie Arbeit zunehmend über digitale Plattformen organisiert wird. In Oxford konnte ich diesbezüglich ein neues gemeinsames Forschungsprojekt entwickeln. Es dreht sich um AI-Data-Workers: Menschen, die im Hintergrund von AI-Systemen arbeiten, etwa durch Datenannotation, Bewertung von Modellen oder Content Moderation. Ihre Arbeit ist zentral für die Entwicklung von AI, aber weitgehend unsichtbar.
Das Projekt würde untersuchen, wie diese Arbeit in globalen Wertschöpfungsketten organisiert ist. Häufig sind die Auftraggeber im Globalen Norden und Dienstleister im Globalen Süden, etwa in Indien. Gemeinsam mit Forschenden aus Oxford, Indien und der Schweiz möchten wir daraus ein internationales Forschungsprojekt entwickeln. Ziel ist es, Arbeitsbedingungen systematisch sichtbar zu machen und konkrete Verbesserungen anzustossen, etwa durch das Fairwork-Framework des Oxford Internet Institutes, mit dem Arbeitsstandards vergleichbar bewertet werden können.
Über die Person
Caroline Straub ist Professorin für Human Ressource Management am Institut für New Work der Berner Fachhochschule. Sie forscht zu plattformbasierter Arbeit, der Machbarkeit von Arbeitszeitreduktionen unter Berücksichtigung des technologischen Wandels und begleitet Firmen bei der Einführung der 4 Tage-Woche.
Was nimmst du für deine Arbeit an der BFH mit?
Der Aufenthalt in Oxford hat meine Perspektive deutlich erweitert. In Oxford habe ich erlebt, wie selbstverständlich unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten und wie eng Forschung mit gesellschaftlichen Herausforderungen verbunden sein kann. Diese interdisziplinären und impact-orientierten Forschungsansätze möchte ich an der BFH vermehrt anwenden. Konkret bedeutet das: Praxis, Politik und Zivilgesellschaft früher in Forschungsprojekte einzubeziehen und internationale Kooperationen gezielt auszubauen.