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«Die Mobilität sicherer, effizienter und nachhaltiger machen»
10.09.2026 Eine Ausstellung im NMB Neues Museum Biel thematisiert die Bieler Mobilitätsgeschichte der letzten 130 Jahre. Die BFH-TI hat letztere massgeblich mitgeprägt. In Forschung und Lehre gehe es immer darum, Mobilität sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen, betont Peter Affolter, Leiter des Fachbereichs Automobil- und Fahrzeugtechnik an der BFH-TI.
Ende des 19. Jahrhunderts fuhren die Menschen noch in Kutschen über den Bieler Zentralplatz. In den 20er- und 30er-Jahren überquerten sie ihn vor allem auf Fahrrädern. Und als ab 1936 der amerikanische Automobilkonzern General Motors Fahrzeuge in Biel produzierte, brausten immer mehr Autos über diesen Knotenpunkt der Stadt. Bilder des Zentralplatzes erzählen also viel dazu, wie sich die Bieler*innen in den jeweiligen Epochen fortbewegt haben. Der Zentralplatz ist deshalb auch ein wichtiges Element der Ausstellung «Brumm, Brumm, Biel. Mobilität im Erdölzeitalter» im NMB Neues Museum Biel (siehe Box). Mittels LiDAR-Technik, einer laserbasierten Technologie zur präzisen 3D-Vermessung und -Umgebungserfassung, werden unter anderem digitale Live-Bilder vom Zentralplatz in die Ausstellung übertragen.
Reale und geistige Mobilität
Der Bieler Zentralplatz ist in jedem Raum der Ausstellung zu sehen, er ist quasi ihr Herzstück: Die Ausstellung «Brumm, Brumm Biel. Mobilität im Erdölzeitalter» im NMB Neues Museum Biel führt noch bis Anfang April 2027 durch 130 Jahre Bieler Mobilitätsgeschichte. Sie thematisiert die Auswirkungen der Mobilität auf Wirtschaft, Gesellschaft oder den öffentlichen Raum. Exemplarisch für letzteren stehen Bilder des Zentralplatzes aus den jeweiligen Epochen. Mittels LiDAR-Technik, einer laserbasierten Technologie zur präzisen 3D-Vermessung und -Umgebungserfassung, werden zudem Live-Bilder vom Zentralplatz in die Ausstellung übertragen.
Die Technik dazu stellen wir zur Verfügung: Das ist einer von mehreren Beiträgen der BFH-TI in der Ausstellung. Die BFH hat in den letzten Jahrzehnten die Bieler Mobilitätsgeschichte massgeblich mitgeprägt. Bereits 1930 wurde die automobiltechnische Abteilung als eines von zwei nationalen Ausbildungszentren am damaligen Kantonalen Technikum Biel gegründet. Heute ist der Studiengang Automobil- und Fahrzeugtechnik an der BFH-TI der einzige dieser Art in der ganzen Schweiz. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurden die Rennwagen «Spirit of Biel/Bienne», mit denen die damalige Ingenieurschule in den 90er-Jahren wegweisende Pionierarbeit in der Elektromobilität leistete.
Mit Innovation und «geistiger Mobilität» haben wir die reale Mobilität immer sicherer, effizienter und nach-haltiger gemacht. So erforschen wir derzeit etwa das führerlose Fahren oder die Toxizität des Reifenabriebs.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – und lege Ihnen einen Besuch der Ausstellung im NMB sehr ans Herz. Es lohnt sich!
Prof. Dr. Roger Filliger
Direktor der BFH-TI
Einzigartiger Studiengang
Die Technik dazu stellt die BFH-TI zur Verfügung. Das ist einer von mehreren Beiträgen, die sie in der Ausstellung leistet. Aus gutem Grund: «Die BFH und ihre Vorgängerinstitutionen haben die Bieler Mobilitätsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte massgeblich mitgeprägt», sagt Melanie Nellen, Projektleiterin im Fachbereich Automobil- und Fahrzeugtechnik der BFH-TI. Das begann schon 1930, als die automobiltechnische Abteilung als eines von zwei nationalen Ausbildungszentren am damaligen Kantonalen Technikum Biel gegründet wurde. Daraus haben sich bis heute der in der Schweiz einzigartige Studiengang Automobil- und Fahrzeugtechnik, das Dynamic Test Center in Vauffelin und das Labor für Fahrzeugemissionen und Antriebssysteme in Nidau entwickelt. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurden insbesondere die Solar-Rennwagen «Spirit of Biel/Bienne», mit denen die damalige Ingenieurschule Biel in den 90er-Jahren wegweisende Pionierarbeit in der Elektromobilität leistete.
«In unserer Forschung und Lehre geht es immer darum, Mobilität sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen».
Autonomes Fahren: mehr Transparenz
«In unserer Forschung und Lehre geht es immer darum, Mobilität sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen», sagt Peter Affolter, Leiter des Fachbereichs Automobil- und Fahrzeugtechnik an der BFH-TI. Das gilt auch für aktuelle Forschungsprojekte, mit denen die BFH-TI die Mobilität der Zukunft erforscht.
In einem davon geht es um das autonome Fahren: Seit März 2025 können in der Schweiz auf von Kantonen bewilligten Strecken führerlose Fahrzeuge verkehren, die aus einer Zentrale überwacht werden und in denen Personen auf dem Beifahrersitz die Fahrt jederzeit stoppen können. Die BFH-TI und die Hochschule für Technik und Architektur Freiburg hatten dafür im Auftrag des Bundes Mindestanforderungen definiert und diese auf dem Versuchsgelände für autonomes Fahren in Vauffelin getestet. Mit der eingangs erwähnten LiDAR-Technik erstellen autonome Fahrzeuge 3D-Bilder der Umgebung und erkennen so Hindernisse zuverlässig.
Noch sind Unternehmen aus China oder den USA bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge führend. Verkehren diese in europäischen Strassen, weiss allerdings niemand, welche Daten sie aus der Umgebung sammeln und zu welchem Zweck diese verwendet werden. «Aus Sicht des Datenschutzes ist das sehr problematisch», sagt Peter Affolter. Zusammen mit dem deutschen Unternehmen Bertrandt entwickelt die BFH-TI deshalb derzeit eine Open-Source-Software für den autonom fahrenden Kleinbus «Matte-Schnägg», den die BFH-TI einst von den Berner Verkehrsbetrieben übernommen hatte. Das Ziel ist also eine Software, die von Betreiber*innen eingesehen und verändert werden darf. «Solche transparenten Systeme erhöhen die Akzeptanz führerloser Fahrzeuge bei Anwender*innen, Betreiber*innen und Behörden und deren Vertrauen in diese», hält Peter Affolter fest.
Reifenabrieb und nachhaltige Batterien
Ein anderes Projekt untersucht den Reifenabrieb, also kleinste Gummi-Partikel, die Pneus beim Fahren ständig verlieren. Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) gelangen hierzulande jährlich zwischen 10 000 und 16 000 Tonnen dieser Mikroplastik-Teilchen in die Umwelt und belasten Böden und Gewässer. In einem gemeinsamen Projekt mit der Universität Bern erforscht die BFH-TI, wie schädlich dieser Reifenabrieb genau ist. «Unsere Aufgabe ist es dabei, die Reifenabrieb-Teilchen zu sammeln und zu klassifizieren. Die Forschenden der Universität Bern bestimmen dann deren Toxizität», erläutert Peter Affolter.
Für eine klimafreundlichere Mobilität sind derweil Elektrofahrzeuge zentral. Um ihre ökologische Bilanz über den gesamten Lebenszyklus weiter zu verbessern, bieten Lithium-Ionen-Batterien grosses Potenzial. Unter Leitung der BFH-TI erarbeiteten sieben Schweizer Forschungsinstitutionen und 24 Unternehmen im Rahmen des Projekts CircuBAT Lösungen für mehr Nachhaltigkeit in allen Lebensabschnitten der Batterie. Dazu wurde ein zirkuläres Wirtschaftsmodell entwickelt, mit dem die Lebensdauer der Batterien verlängert oder die Materialrückgewinnung verbessert werden kann. Mehrere der erarbeiteten Lösungen stehen nun kurz vor der Markteinführung oder werden in neuen Projekten und Start-ups weiterverfolgt.
Um die Mobilität der Zukunft geht es auch in der Ausstellung im NMB. Dort können sich Besucher*innen zum Beispiel an zwei von der BFH-TI konzipierten Stationen zukünftige Mobilitätsformen visualisieren lassen.
Alles fürs Auto – und in Zukunft?
Die Ausstellung «Brumm, Brumm, Biel. Mobilität im Erdölzeitalter» im NMB Neues Museum Biel führt noch bis Anfang April 2027 durch 130 Jahre Bieler Mobilitätsgeschichte. Sie thematisiert dabei die Auswirkungen der Mobilität auf Wirtschaft, Gesellschaft oder den öffentlichen Raum. «Wir wollen zeigen, warum die Mobilität in den letzten 100 Jahren fast ausschliesslich aufs Auto ausgerichtet war», sagt Florian Eitel, Kurator der Ausstellung beim NMB. «Die Besuchenden haben auch die Möglichkeit, sich mit zukünftigen Formen der Mobilität auseinanderzusetzen.» Geplant ist zudem, dass am Mobilitätstag vom 18. Oktober der autonom fahrende Kleinbus «Matte-Schnägg» der BFH-TI auf einer abgesperrten Strecke entlang der Schüss beim NMB verkehrt. An diesem Tag können Besuchende auf geführten Touren den Verkehr in Biels Strassen aus anderen Perspektiven erleben, etwa aus jener von gehörlosen Menschen.