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Neuer Status: mehr Flexibilität für Spitzensportler*innen
10.09.2026 Seit einem Jahr vergibt die BFH-TI den Status Spitzensport an junge Athlet*innen. Studierende wie die Kunstturnerin Anny Wu profitieren so von flexiblen Studienplänen und reduzierten Präsenzpflichten. Das erleichtert es ihnen, mit dem Studium für berufliche Perspektiven nach der Sportkarriere zu sorgen.
Wegen der geografischen Nähe zur Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM) studieren bereits seit Jahren junge Spitzensportler*innen an der BFH-TI. Bis vor einem Jahr waren diese Athlet*innen auf das Entgegenkommen der individuellen Studienleitungen angewiesen, wenn es um Flexibilität rund um ihre Studienpläne, Prüfungsdaten und Anwesenheitspflichten ging.
Seit einem Jahr hat die BFH-TI nun den Status Spitzensport offiziell reglementiert. «Wir hätten das schon früher tun sollen», sagt Roger Filliger, Direktor der BFH-TI. Die Beziehung zur EHSM sei schon immer eng gewesen, und natürlich wolle die BFH jungen Sportler*innen ein Studium ermöglichen. Es sei aber bisher schwierig gewesen, Strukturen und Vorgaben, wie beispielsweise Prüfungsreglemente, ad hoc anzupassen, um den Anforderungen von Sportkarrieren entgegenzukommen.
Neues Zertifikat Sport Analytics
Die Nachfrage nach qualifizierten Datenwissenschaftler*innen wächst auch im Spitzensport. Dort ermöglichen KI-gestützte Datenanalysen eine gezielte Leistungsdiagnostik und erhöhen so die Erfolgswahrscheinlichkeit. Im Herbst 2026 lanciert die BFH-TI deshalb in enger Zusammenarbeit mit der EHSM das Zertifikat «Sport Analytics» für Studierende der Lehrgänge Data Engineering, Medizininformatik und Informatik. Das Angebot richtet sich an sportaffine Studierende, die sich beruflich als Data Scientists in einem Sportverband, in der Sportmedizin, in Sportdiagnostik-Start-ups oder an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM) sehen. Das Zertifikat erhält, wer die dafür vorgesehenen Wahlmodule und Projektarbeiten (in Kooperation mit der EHSM) besteht.
Studieren an der BFH-TI
Status Spitzensport an der BFH-TI
Das Programm «Spitzensport und Studium» von Swiss Olympic und Swiss University Sports schafft nun schweizweit einheitlichere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport. Athlet*innen können sich bei Swiss Olympic für die Talent Card oder für die Elite Talent Card qualifizieren. Dies gilt auch für Leistungssportler*innen in nicht-olympischen Sportarten, sofern das Potenzial für eine Karriere auf nationaler oder internationaler Ebene nachweisbar ist.
Hochschulen können dann den Spitzensportler*innen mit einer Talent Card den sogenannten Status Spitzensport verleihen. Dieser berechtigt unter anderem zur flexiblen Studienplanung, zur Reduktion der Präsenzpflicht, zur Koordination von Prüfungen mit Wettkampfdaten und zu einer verlängerten Studiendauer oder einem Teilzeitstudium. Verpassen solche Athlet*innen beispielsweise an der BFH-TI ein Modul, müssen sie dies nicht wie reguläre Studierende bei der nächsten Gelegenheit nachholen, sondern profitieren von einer längeren Frist. Trotz der Anpassungen gelten die gleichen akademischen Leistungsanforderungen wie für alle anderen Studierenden. Wenn die Athlet*innen aus dem Leistungssport zurücktreten oder die Kaderzugehörigkeit und damit die Talent Card verlieren, haben sie auch keinen Anspruch mehr auf das Entgegenkommen der BFH-TI.
Die BFH-TI ermöglicht den Spitzensportler*innen mit dem neuen Status eine duale Karriere und verhindert Studienabbrüche aufgrund von Unaufschiebbarkeiten im Leistungssport. Die flexible Studienplanung reduziert die Doppelbelastung und erleichtert so letztlich den Abschluss, der für die Perspektive nach der sportlichen Laufbahn wichtig ist.
«Da die Wege kurz sind, macht es mir nichts aus, zwischen dem Leistungszentrum in Magglingen und der BFH-TI hin- und herzufahren.»
Studierende Athletin sieht keine Nachteile
Von Studierenden mit Status Spitzensport wird ein hohes Mass an Eigenverantwortung erwartet. Sie sind selbst dafür zuständig, ihr Studium proaktiv zu planen und bei Abwesenheiten Inhalte und Prüfungen nachzuholen. Damit die Koordination gelingt, haben die Athlet*innen an der BFH-TI eine Ansprechperson, die mit ihnen die individuellen Studienpläne erarbeitet.
«In der Regel ist die hohe Eigenverantwortung kein Problem», sagt Roger Filliger. «Spitzensportler*innen sind hochmotivierte Menschen, bringen viel Selbstdisziplin mit und sind straffe Zeitpläne gewohnt.» Das bestätigt die Kunstturnerin Anny Wu, die an der BFH-TI Mechatronik und Systemtechnik studiert. «Ich will ja lernen», sagt sie. «Selbst wenn ich im Unterricht einmal unkonzentriert oder müde bin, bin ich motiviert, den Stoff nachzuholen.»
Die Aargauerin, die 2025 im EM-Mehrkampffinal den 16. Rang belegte, ist dankbar für die Möglichkeiten, die ihr der neue Status Spitzensport bietet. «Ich kann Prüfungen nachholen und das Studium später abschliessen – ohne negative Konsequenzen», sagt sie. «Das gibt mir sehr viel Sicherheit und Flexibilität.»
«Wir hätten das schon früher tun sollen.»
Als Anny Wu das Studium begann, war der Status Spitzensport an der Fachhochschule noch nicht offiziell etabliert. Schon damals habe sie aber vom engen Austausch mit der Studienleitung profitiert, der die BFH-TI auszeichnet, betont sie. Ihr Studienleiter, Aymeric Niederhauser, habe sich für sie eingesetzt und mit ihrer Talent Card von Swiss Olympic eine Begründung für ein gewisses Mass an Flexibilität gefunden.
Nachteile der Doppelbelastung Studium/Spitzensport sieht sie trotz ihres vollen Terminkalenders nicht. «Ich mag durchgetaktete Tage», sagt sie. «Da die Wege kurz sind, macht es mir nichts aus, zwischen dem Leistungszentrum in Magglingen und der BFH-TI hin- und herzufahren. Ich bin einfach glücklich, dass ich genau das studieren kann, was mich interessiert. Und gleichzeitig voll auf den Sport setzen kann.»