Menschenrechtsverletzungen: Die Datenlücke schliessen
Das Projekt verbessert die systematische Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in der Schweiz. Es werden digitale Methoden zur Medienanalyse der Schweizer Medien entwickelt, um Fälle mit tödlichem Ausgang zu erfassen.
Steckbrief
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Beteiligte Departemente
Soziale Arbeit
Technik und Informatik - Institut(e) Institut Soziale und kulturelle Vielfalt
- Strategisches Themenfeld Themenfeld Humane Digitale Transformation
- Förderorganisation BFH
- Laufzeit (geplant) 15.08.2026 - 31.12.2026
- Projektleitung Dr. Claske Dijkema
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Projektmitarbeitende
Peter Alfred von Niederhäusern
Prof. Dr. Peter Neuenschwander
Livia Zöbeli -
Partner
humanrights.ch
Border Forensics - Schlüsselwörter Daten, Menschenrechte, Menschenrechtsverletzungen, Gewalt, Rassismus
Ausgangslage
Die Fachstelle Diskriminierung & Rassismus von humanrights.ch leistet Aufklärungsarbeit, stellt Informationen bereit und vernetzt relevante Akteure rund um die Themen Diskriminie-rung und Rassismus in der Schweiz. Sie setzt sich zudem für einen verbesserten Zugang zur Justiz für Opfer rassistischer Diskriminierung ein. Zu ihrer Arbeit gehört eine Informations-plattform, die Koordination und Ausarbeitung des NGO-Berichts zum Internationalen Überein-kommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (ICERD) sowie seit 2005 ein Beratungsnetzwerk für Opfer von Rassismus. Ein Schwerpunkt der Fachstelle liegt in der Do-kumentation von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Freiheitsentzug (Haft, Administrativhaft oder freiheitsbeschränkende Massnahmen in psychiatrischen Einrichtungen). Für die Advocacy-Arbeit sind Daten von entscheidender Bedeutung. Allerdings bestehen hier erhebliche Lücken. Die Datenerfassung basiert aktuell auf einer manuell durchgeführten Pres-sebeobachtung, konkret wird dazu eine begrenzte Anzahl von Zeitungen durchgeschaut. Man-gels Zeit und Personal hat diese Methode ihre Grenzen. Ziel des Projekts ist es, eine Methode zu entwickeln, die die Pressedatenbank Swissdox automatisiert durchsucht.
Vorgehen
Spezialist*innen des Departements Technik und Informatik der Berner Fachhochschule entwi-ckeln einen Algorithmus, um die Schweizer Pressedatenbank systematisch nach Fällen von Menschenrechtsverletzungen mit tödlichen Folgen im Zusammenhang mit Freiheitsentzug zu durchsuchen. Dieser Algorithmus wird in Verbindung mit Swissdox@LiRI eingesetzt, einer Platt-form, die quantitative und/oder computergestützte Sprach- und Medienforschung ermöglicht und für Big-Data-Analysen konzipiert ist. In Zusammenarbeit mit dem NGO humanrights.ch und dem Departement Soziale Arbeit der BFH werden Kategorien der Ausgrenzung identifiziert, die bei diesen Menschenrechtsverletzungen eine Rolle spielen. Das BFH-Projektteam nutzt dafür den von Border Forensics entwickelten Archive of Absence (https://archiveofabsence.borderforensics.org/). Das Klassifizierungsschema basiert auf zwei sich überschneidenden Dimensionen: Todesart und Prozesse der Ausgrenzung. Fälle werden hinsichtlich Datum, Ort, demografische Merkmale, situativem Kontext, Todesursache und der damit verbundenen Ausgrenzungsprozesse kodiert.
Ergebnisse
Das Projekt verbessert die Falldokumentation erheblich, indem es einen weitgehend manuellen Prozess der Pressesichtung in einen systematischen, automatisierten Prozess umwandelt. Der-zeit identifizieren Analysten relevante Fälle durch zeitaufwändige, manuelle Recherchen, was den Erfassungsumfang einschränkt. Der vorgeschlagene Algorithmus, der auf Swissdox@LiRI angewendet wird, ermöglicht eine kontinuierliche, gross angelegte und transparente Sichtung der Schweizer Medien und damit eine umfassendere und zeitnahe Identifizierung von Fällen, in denen Menschenrechtsverletzungen mit tödlichen Folgen vorliegen. In Kombination mit einem strukturierten Klassifizierungs- und Kodierungsrahmen stärkt dies die Datenqualität, Konsis-tenz und analytische Tiefe erheblich. Für die Interessenvertretung bietet der daraus resultieren-de Datensatz eine solidere empirische Grundlage, um Muster zu erkennen, strukturelle Proble-me wie Ausgrenzungsprozesse aufzuzeigen und evidenzbasierte politische Empfehlungen so-wie öffentliche Interventionen zu untermauern.
Ausblick
Die wichtigsten Schritte sind: Entwicklung des Klassifizierungsrahmens und eines Algorithmus zum Durchforsten der Swissdox@LiRi-Datenbank, die Analyse der Fälle sowie die Entwicklung einer Schnittstelle, um die Daten zugänglich zu machen.