Bedarfsabklärung aufsuchende Jugendarbeit in der Berner Innenstadt

In der Stadt Bern ist aufsuchende Jugendarbeit bis anhin in den Stadtteilen II-VI tätig. Mit einer Bedarfsabklärung wird geprüft, ob auch in der Berner Innenstadt ein solches Angebot eingeführt werden soll.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
  • Institut(e) Institut Soziale und kulturelle Vielfalt
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit (geplant) 01.01.2026 - 31.07.2026
  • Projektleitung Prof. Simone Gäumann
  • Projektmitarbeitende Rispa Stephen
  • Schlüsselwörter Bedarfsabklärung, mobile Jugendarbeit, Sozialraumanalyse

Ausgangslage

In der Stadt Bern ist die mobile und aufsuchende Jugendarbeit bis anhin in den Stadtteilen II-VI tätig. Im Auftrag der Stadt Bern ist der Trägerverein für die offene Jugendarbeit der Stadt Bern (toj) auf Basis eines Leistungsvertrags für dieses Angebot zuständig. Als Folge eines politischen Vorstosses im Stadtrat soll nun geprüft werden, inwiefern die Einführung von aufsuchender Jugendarbeit in der Berner Innenstadt (Stadtteil I) einem Bedarf entspricht. Aufsuchende Jugendarbeit richtet ihr Augenmerk auf Orte und Plätze im öffentlichen Raum, an denen sich Jugendliche und junge Erwachsene treffen. Diese Orte und Plätze sind wichtige Aneignungs-, Lern- und Begegnungsräume in der jugendlichen Lebenswelt und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Identitätsentwicklung auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Im Kontext der aufsuchenden Jugendarbeit treten Fachpersonen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kontakt, bauen eine professionelle Beziehung zu ihnen auf und begleiten sie bedürfnisorientiert. Die Abklärung soll aufzeigen, wie gross der Bedarf nach einem Angebot aufsuchender Jugendarbeit in der Berner Innenstadt ist und welcher Mehrwert mit einem solchen Angebot erzielt werden kann.

Vorgehen

Die Bedarfsabklärung umfasst die Durchführung einer Sozialraumanalyse in der Berner Innenstadt mit Fokus auf Beobachtungen, Begehungen, Befragungen von Jugendlichen in Kombination mit der Nadelmethode (Mapping) und Fokusgruppen mit Stakeholdern sowie Fachpersonen. Zur Erkundung von Aufenthaltsorten Jugendlicher werden Beobachtungen und Begehungen durchgeführt. Dadurch werden die Zielgruppe, ihre Nutzungs- und Aneignungsmuster, Handlungen und Interaktionen in Wechselwirkung mit den sozialräumlichen Gegebenheiten erfasst. Danach werden die Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an verschiedenen Standorten mit Einsatz der Nadelmethode (Deinet, 2009) nach ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Bedarfen befragt. Die Nadelmethode ermöglicht, Erkenntnisse und Einblicke in sozialräumliche Aneignungsprozesse von Aufenthaltsorten zu gewinnen. Schliesslich werden zwei Fokusgruppen durchgeführt, um dass gewonnene Wissen über den Aufenthalt von Jugendlichen im öffentlichen Raum mit relevanten Akteur*innen und Fachpersonen zu diskutieren. Zudem werden Bedarf und Potenzial von fachlicher Unterstützung mittels aufsuchender Jugendarbeit aufgezeigt. Abschliessend werden die gewonnenen Erkenntnisse mittels eines Mappings der Aufenthaltsorte und deren Qualität im Abgleich mit der Bedarfseinschätzung von aufsuchender und mobiler Jugendarbeit zusammengestellt.

Ergebnisse

Die Bedarfsabklärung zeigt auf, dass die Innenstadt für die jungen Menschen ein wichtiger Freiraum für Aufenthalt, Begegnung und Freizeitgestaltung ist. Sie bietet Freiheiten, die in Wohnquartieren oder -gemeinden oftmals fehlen. Aufgesucht wird die Berner Innenstadt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Stadt Bern sowie ausgeprägter von jungen Menschen aus den umliegenden Gemeinden. Die Innenstadt stellt als Freiraum zugleich ein Möglichkeits- als auch ein Risikoraum dar für junge Menschen. Es treffen unterschiedliche Gruppen, Nutzungsformen und jugendspezifische Problemsituationen in der Berner Innenstadt aufeinander, was mitunter zu Spannungen, Konflikten, Grenzüberschreitungen und unterschiedlichen Formen von Gewalt führen sowie das Sicherheitsempfinden der Zielgruppe beeinflussen kann. Die Analyse der Einschätzungen zum Bedarf von aufsuchender und mobiler Jugendarbeit legt den Befund nahe, dass ein Bedarf nach fachlicher, sozialarbeiterischer Unterstützung und Begleitung in der Berner Innenstadt vorhanden ist. Bevorzugt wird eine mobile Form von Jugendarbeit mit partizipativen und spielerischen Zugängen. Sie erscheint als die geeignetste Form, um Begegnung, Beteiligung, Prävention und Sicherheit zu fördern und die Innenstadt langfristig als attraktiven und sicheren Lebensraum für junge Menschen zu stärken.

Ausblick

Im Rahmen der Beantwortung des politischen Vorstosses wird auf Basis des Schlussberichts in der zweiten Jahreshälfte 2026 entschieden, ob und in welcher Form das Angebot der aufsuchenden und mobilen Jugendarbeit in der Berner Innenstadt eingeführt wird. Der Schlussbericht wird nach diesem politischen Prozess veröffentlicht.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden