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«Integration braucht Zeit und Kraft»
21.10.2026 Für Menschen mit Fluchthintergrund ist der Weg zum Studienabschluss oft voller Hürden. Auch Oksana kämpfte mit sprachlichen Barrieren und mangelnder sozialer Anbindung. Mit starkem Willen verfolgt sie ihr Ziel.
Wie bist du dazu gekommen, in der Schweiz zu studieren?
Der Umzug in die Schweiz war aufgrund des Krieges in meinem Heimatland unfreiwillig. Und da meine Diplome aus der Ukraine in der Schweiz weitgehend nicht anerkannt wurden, stand ich praktisch ohne Ausbildung beziehungsweise ohne anerkannten Beruf da. Einzig mein ukrainisches Diplom der Pflegefachfrau wurde vom Schweizerischen Roten Kreuz geprüft und kann – geknüpft an das Erfüllen bestimmter Auflagen – auf Niveau Fachfrau Gesundheit anerkannt werden. Dies ist ein noch andauernder, langer Prozess.
Meine weiteren Diplome wurden in der Schweiz nicht anerkannt. So ist mein Masterabschluss in physischer Rehabilitation nicht mit einer entsprechenden Schweizer Ausbildung vergleichbar. Auch meine Ausbildung zur Softwareentwicklerin wurde nicht anerkannt, da sie an einer privaten Schule erfolgte.
Aus diesem Grund musste ich einen neuen Bildungsweg einschlagen und drücke nun noch einmal die Schulbank.
Über Oksana Mashurova
Herkunft
Ukraine
Alter
42-jährig
In der Schweiz seit
März 2022, Teilnahme am Hochschulvorbereitungskurs HSVK am TI im Jahr 2023
Studium
Bereich Medizininformatik (TI) seit 2024
Ausbildung im Heimatland
Diplom als Pflegefachfrau, Hochschulabschlüsse in den Bereichen IT und Medizin.
Familiäre Situation
Ledig, eine 16-jährige Tochter.
Wie bist du auf das Angebot der BFH aufmerksam geworden?
Eine Kollegin aus meinem Deutschkurs hat mir von dieser Möglichkeit erzählt. Ich konnte diese Chance nicht ungenutzt lassen.
Was machst du aktuell an der BFH? Was ist dein berufliches Ziel?
Nach dem Hochschulvorbereitungskurs (HSVK) am Departement TI im 2023 studiere ich zurzeit im Bereich Medizininformatik.
Mein Ziel ist es, meine vielseitigen Ausbildungen und mein Wissen miteinander zu verbinden. Ich möchte das Schweizer Gesundheitssystem besser verstehen, seine Bedürfnisse und Probleme erkennen und Lösungen entwickeln, um etwas Wichtiges und Sinnvolles im medizinischen Bereich zu schaffen.
Wie wirst du durch die BFH unterstützt? Wie gut fühlst du dich begleitet bei deiner Ausbildung?
Ich habe eine ausgezeichnete Betreuerin – Marie-Anne Pinheiro – an die ich mich jederzeit wenden kann, wenn ich Beratung oder Unterstützung brauche. Sie konnte mir schon bei vielen wichtigen Fragen helfen.
Auch die anderen Dozierenden an der BFH haben Verständnis für meine sprachlichen Schwierigkeiten. Das motiviert und inspiriert mich, noch intensiver zu lernen und mich weiterzuentwickeln.
Hast du Austausch mit anderen Studierenden?
Ja. Unser Studium ist so aufgebaut, dass wir regelmässig Aufgaben in Teams bearbeiten. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, mit Kolleginnen und Kollegen in kleinen Gruppen zusammenzuarbeiten, gemeinsam ein Ziel zu erreichen und sich gegenseitig besser kennenzulernen.
Was sind die grössten Hürden, die du bisher im Studium angetroffen hast?
Ich habe immer noch das Gefühl, dass meine Deutschkenntnisse für das Studium nicht ganz ausreichen.
Ausserdem ist es für mich schwierig, in den sozialen Kreis meiner Kolleginnen und Kollegen hineinzukommen. Fast alle sprechen ausserhalb des Unterrichts Schweizerdeutsch. Für mich ist das praktisch eine eigene Sprache, die ich erst noch lernen muss.
Du hast den Hochschulvorbereitungskurs am Departement TI absolviert. Wie fandest du ihn?
Ich erachte einen solchen Kurs besonders für Menschen als wichtig, die noch wenig Berührungspunkte zur IT haben. Für mich persönlich war er eine gute Möglichkeit, meine Kenntnisse in Programmierung und im Umgang mit Informatik aufzufrischen und gleichzeitig einen ersten Eindruck davon zu bekommen, was mich während meines weiteren Studiums erwarten würde.
Für meine Kolleg*innen, die zuvor noch keine Erfahrung mit IT hatten, war der Kurs eine gute Möglichkeit, diese Thematik kennenzulernen. Einige Teilnehmende haben nach dem Kurs entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen. Auch das finde ich sehr wertvoll: Vermeiden, dass viel Ressourcen in eine Ausbildung investiert werden, die letztlich nicht passt.
Kannst du dein Privatleben/Arbeitsleben gut mit dem Studium vereinbaren?
Ich studiere Teilzeit, deshalb habe ich grundsätzlich Zeit, mich auch um andere Aufgaben zu kümmern. Allerdings ist es sehr zeitaufwendig, Aufgaben in einer Sprache zu erledigen, die nicht meine Muttersprache ist. Deshalb bleibt mir neben Arbeit und Studium praktisch kaum Zeit für andere Dinge.
Hast du konkrete Vorschläge, wie die BFH das Studium von geflüchteten Personen besser unterstützen könnte?
Persönlich würde ich eigentlich nichts ändern. Natürlich gibt es schwierige sprachliche Situationen, aber das gehört für mich zum Integrationsprozess. Integration ist immer schwierig und braucht Zeit, Kraft und Geduld.
Die meisten Dozierenden vermitteln den Stoff sehr klar, verständlich und strukturiert. Es gibt immer begleitende Skripte oder Präsentationen. Wer im Unterricht etwas nicht ganz versteht, kann den Stoff zu Hause noch einmal in Ruhe durcharbeiten.
Meiner Meinung nach sind an der BFH bereits sehr gute Voraussetzungen für Integration und Bildung geschaffen. Was es letztendlich braucht, sind vor allem der eigene Wille und die Bereitschaft, sich anzustrengen und dranzubleiben.
Weitere Hintergründe zum Thema und Informationen dazu, wie Berner Hochschulen im Projekt KompetenzHub gemeinsam daran arbeiten, Zugangshürden und Herausforderungen für geflüchtete Studieninteressierte durch eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit abzubauen: