- Story
Vom Wohnen und dem Zuhause der vielen Talente
03.06.2026 Wie wohnen wir morgen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Alumni-Netzwerkabends 2026. Rund 200 Teilnehmende trafen sich zu Inputs, Kultur und Austausch – ein gelungener Mix von Impulsen und Begegnung.
Das Wichtigste in Kürze
-
Rund 200 Gäste nahmen am 13. Netzwerkabend im Berner Bierhübeli teil.
-
Dr.-Ing. Boris Szélpal, Professor für Architektur und Urbane Transformation, sprach in seiner Keynote zum Thema «Wie wohnen wir in Zukunft?»
-
Im Panel-Talk vertieften Alumni das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven der Praxis.
-
Ein reichhaltiges Netzwerk-Apéro und genügend Raum für die Netzwerkpflege rundeten den Anlass ab.
Die Zukunft des Wohnens war das Thema des Alumni-Netzwerkabends 2026. Der Anlass zeigte aber auch: Die BFH ist das Zuhause vieler Talente. Passend dazu bat der Präsident des Dachverbands Alumni BFH, Ernst (Aschi) Hegg, während seiner Begrüssungsworte im gut gefüllten Bierhübeli die EHSM-Alumna Carole Howald auf die Bühne. Sie hatte im Februar mit dem Schweizer Curling-Team der Damen bei Olympia Silber gewonnen. Damit stehe sie stellvertretend für die vielen ehemaligen Studierenden der BFH, die in der Schweiz und international viel bewegen, so Hegg.
Alumni-Netzwerk als Zuhause
Wo ist eigentlich unser Zuhause? Mit diesem Gedanken beschäftigte sich Prof. Dr. Sebastian Wörwag, Rektor der BFH, in seinem Grusswort. Ein gutes Buch, gute Freunde, eine Flasche Wein und kein Zahnweh – in Anlehnung an den Dichter Theodor Fontane skizzierte er ein Verständnis von Zuhause, das nicht an einen Ort gebunden ist. Solch ein Gefühl von Heimat und Wohlbefinden vermittle auch die Alumnivereinigung und sei damit eine Art Zuhause.
Das Wohnen der Zukunft
Was ist uns beim Wohnen wichtig? Welche Entwicklungen prägen unsere Wohnformen? Und wie wirkt sich das auf unser Zusammenleben aus? Dr.-Ing. Boris Szélpal, Professor für Architektur und Urbane Transformation, ging in seiner Keynote auf aktuelle Trends ein. Der gesellschaftliche Wandel und neue Technologien führten zu veränderten Wohnbedürfnissen, die Architektur sei der Spiegel der Gesellschaft. Zunehmende Urbanisierung, Verdichtung, steigender Flächenbedarf und höhere Preise: Besonders gut vermarktbar seien kompakte, flexible Singlewohnungen – inklusive Smart Home und Digitalisierung für Komfort, Effizienz und Sicherheit.
Trends beeinflussen das Wohnen
Durch die Auslagerung von Services wie Essen und Freizeitgestaltung werde die Stadt zum erweiterten Wohnzimmer. Gleichzeitig brauche der Mensch Rückzug und mentale Erholung – Stichwort Cocooning in der Wohnung als Ort der Regeneration. Emptiness – weniger Dinge, mehr Platz zum Leben – fördere Klarheit für Körper und Geist. Gerade Jüngere hinterfragten Besitz, und neue, nachhaltige Konsummuster – Reuse, Repair und Vintage – prägen ihren Konsum. Neue Wohnformen verbinden Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Kennzeichnend seien Gemeinschaft und hybride Nutzung. Gleichzeitig bestehe nach wie vor der Traum vom Einfamilienhaus als Sehnsuchtsbild für Individualität und Sicherheit.
Impressionen
Empathische Städte mit menschlicher Haltung
Wohin geht die Reise? Vielleicht zum Konzept der «Empathic Cities», welches das Zukunftsinstitut entwickelt hat: Technologie im Einklang mit Mensch und Natur, verbunden mit den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Stadtbewohner. Im Gegensatz zu technikzentrierten Smart Cities setzt die Empathic City auf ganzheitliche Lösungen, die den Alltag verbessern. Gerade in Zeiten von KI gelte: Im Wandel brauche es menschliche Haltung und Führung, so Boris Szélpal.
Eine Vielfalt von Wohnformen
Der anschliessende Panel-Talk brachte ganz unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammen. Christiane Dilly ist Alumna des Masters Soziale Arbeit und Vorstandsmitglied der Genossenschaft Warmbächli im Berner Holligenquartier. Sie berichtete von ihren Erfahrungen in einer städtischen Wohnform, die bewusst auf Engagement, soziale Durchmischung und Gemeinschaft setzt. Dr. Nina Hüppi, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Siedlung, Architektur und Konstruktion der BFH, zeichnete – über die Genossenschaften hinaus – die Entwicklung städtischer und ländlicher Wohnformen nach. Tanja Streit, Alumna des MAS Real Estate Management und Mitglied der Geschäftsleitung der Mössinger Immobilien AG, brachte aktuelle Erfahrungen aus dem Immobilienmarkt ein.
Wohnen in Stadt und Land
Zentrale Erkenntnisse der Runde: die Grenzen zwischen Stadt und Land verschwimmen. Auch infolge des Raumplanungsgesetzes entstünden auf dem Land vermehrt vielseitige neue Wohnformen wie Generationenwohnen. Nicht jeder Wegzug aus der Stadt sei als kostengetriebene Verdrängung zu sehen. Es gebe auch die bewusste Entscheidung für z. B. mehr Familienfreundlichkeit oder weniger Verkehrsbelastung. Auf dem Land sei Wohneigentum eher erreichbar, was angesichts von Leerkündigungen auch ein Gefühl der Sicherheit geben könne.
Flexibilität und Gemeinschaft
Sowohl im Miet- wie im Eigentumsmarkt nannte das Panel die geringe Flexibilität als Problem. Der grosse Unterschied zwischen Mieten und Preisen im Markt und im Bestand führt dazu, dass Menschen zögern, ihre Wohnungen geänderten Bedürfnissen anzupassen: Während Senior*innen nach dem Auszug der Kinder in zu gross gewordenen Familienwohnungen verharren, finden junge Eltern keine Alternative zu ihrer eng gewordenen Paarwohnung. Weiteres Thema der Runde: Gemeinschaft. Sowohl in Stadt wie auch auf dem Land sei Gemeinschaft über familiäre Beziehungen hinaus möglich, aber kein Selbstläufer. Es brauche das Engagement der einzelnen. Sei es in traditionellen Formen wie Vereinen oder in neuen Formaten.
Noch vor dem Apéro wurde der inhaltliche Teil des Abends vom künstlerischen Beitrag der beiden HKB-Alumni*ae Alice Paroissien und Alberto Santamaria als Duo Alheïdis & Santamaria abgerundet. Sie verzauberten das Publikum mit Song-Klassikern, schlicht und doch packend interpretiert mit Gitarre und Gesang. Ein weiterer Beleg für die BFH als Zuhause vieler Talente, wie Moderatorin Helen Alt in ihrem Schlusswort sagte.